Montag, 8. August 2011

Moment mal...

Wenn wir eine Geschichte erzählen oder niederschreiben, hören wir zuerst in unsere Seele, denn sie ist der Ort, in der alles was wir sehen und was wir empfinden aufeinandertrifft und unseren Charakter formt. Somit ist jede Geschichte ein Stück von uns selbst, ein Stück unserer Identität.

Montag, 20. Juni 2011

Magie Geschichten zu erzählen

„Es war einmal...“ So beginnen die meisten Geschichten der Brüder Grimm und diese Worte sind die Tore zu neuen fantastischen Welten. Welten abseits dem düsteren Grau der gesellschaftlichen Konventionen. Welten abseits von einer doch diktaktorischen Realität. Welten abseits von sozialen Unterschieden. Mit dem Erzählen von Geschichten brechen wir aus unserem selbst erschaffenen Gefängnis aus, was wir Realität nennen. Mit Geschichten befriedigen wir unsere Sehnsüchte nach Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Mit Geschichten können wir lenken und bestimmen. Mit Geschichten können wir unsere tiefsten Emotionen offenbaren, ohne unser Gesicht zu verlieren.



Unsere Gedanken sind frei. Unsere Fantasie ist grenzenlos. Jeder hat die Möglichkeit eine eigene Welt zu erschaffen. Eine Welt, der jeden eine Pause von der Realität gönnt. Eine Welt in denen Herzenswünsche wahr werden. Eine Welt in denen Ungerechtigkeiten offen zur Sprache kommen.

Viele möchten andere Menschen in ihre Welten entführen, an ihren Gedanken teilhaben lassen. Mit ihnen eine starke Einheit gründen. Sie erzählen Geschichten. Schreiben sie nieder. Komponieren Musik. Drehen Filme. Es gibt soviele Möglichkeiten Geschichten anderen mitzuteilen.

Es ist unser tiefstes Bedürfnis uns anderen mitzuteilen. Wir möchten alle sagen, was wir ungerecht finden. Wir möchten uns gegen ein System auflehnen, es stürzen und eine bessere Welt erschaffen. Wir möchten unsere Verachtung zeigen, unsere Wut wie Asche aus einem Vulkanausbruch auf die Erde regnen zu lassen. Unser Glück mit allen Menschen zu teilen.



Ich liebe es Geschichten zu schreiben und ich liebe den Moment noch mehr, wenn diese Geschichten Gestalt annehmen. Ich mag den Moment wenn ich zusammen mit anderen Kreativen meine selbst entworfene Welt für andere Menschen zu öffnen. Der Besuch im Kino, das Öffnen eines Buches, die Songs eines Musicals zu hören, gespannt darauf zu warten, wenn sich im Theater der Vorhang öffnet. Es ist so einfach in andere Welten einzutauchen, um die Realität nur für einen kleinen Moment aus zu grenzen.

Ich liebe nicht nur Geschichten, ich lebe sie. Und das in vollen Zügen.

Sonntag, 5. Juni 2011

Kurzgeschichten

Septemebereis
von Thorsten Homberger


Wieder werf' ich Blicke zum Fenster,
seh' das Eis auf den Scheiben.
Es ist September.
Die Kälte jedoch,
kennt die Zeit nicht.


Samantha Becker betrachtete die weißen Scherben, die in alle Richtungen zerstoben, nachdem ihre Tasse auf dem Boden entzwei brach. Wut stieg in ihr auf. Warum? Es war doch nur ein kleines Stück Porzellan. Und doch, so hatte Samantha das Gefühl, dass mit dem Bruch ihrer Tasse auch ein Teil ihrer Seele in die nie wiederkehrende Dunkelheit des Vergessens gefallen wäre. Es war nur Porzellan. Erinnerungen, die auf einem Schlag zu verblassen schienen. Wut, die in Trauer zu wandeln schien. Es war doch nur ein Missgeschick. Es war doch nur ein Stück Porzellan.
Samantha schüttelte die Trauer aus ihrem Herzen, ging in die Hocke und sammelte eine kleine Scherbe auf. Lange betrachtete sie den Buchstaben h. Das h gehörte ursprünglich in das Wort Krankenhaus. Schon schien die Trauer sie wieder zu ergreifen. Nur wegen der Tatsache, dass sie ein Wort zerstört hatte. So unbedeutend und allgemein. Nur das Logo des örtlichen Krankenhauses, wo Samantha die nächsten Monate arbeiten würde. Nichts persönliches. Kein liebes Wort eines Verwandten. Nur das Wort „Krankenhaus“. Was war bloß mit ihr los?
Samantha suchte lange nach einem Kehrblech und nach einem Handfeger. Sie wurde auf einmal aus ihren Gedanken gerissen.
Alles in Ordnung, Kind?“
Das war die Stimme der Stationsschwester. Seit ihrem ersten Tag empfanden beide füreinander große Sympathien. Jetzt schien Schwester Gerda sie nach einem Monat schon ins Herz geschlossen zu haben. Wahrscheinlich würde sie nach zwei Monaten von ihr adoptiert werden.
Tut mir leid, mir ist die Tasse heruntergefallen.“ Samantha wirbelte nervös umher. „Ich räume hier sofort auf.“
Schwester Gerda strich ihr beruhigend über die Schulter. Samantha mochte es. Schwester Gerda war wie ein Ruhepol für sie.
Kindchen, das ist doch nicht so schlimm. Ich entsorge die Scherben und dafür siehst doch mal schnell nach dem Patienten in Zimmer 308 nach.“
Der liegt doch schon, seit ich angefangen habe auf der Station“, bemerkte Samantha.
Länger, Schätzchen. Schon gute zwei Monate. Tust du mir den Gefallen, ja?“

Samantha streifte den langen grünen mit Neonlicht ausgeleuchteten Gang entlang, bis sie schließlich die Tür zum Zimmer 308 erreicht hatte. Sie klopfte und öffnete langsam die Tür.
Drinnen blickte sie ein junger Mann erwartungsvoll an. Er war nicht älter als sie. Bestimmt 20. Oder 21. David hieß er. Das stand jedenfalls auf seinem Krankenbett.
Hallo“, sprach er matt. In den Händen hielt er einen Notizblock und einen Stift. Langsam trat Samantha ins Zimmer und konnte die Augen nicht von ihm abwenden.
Ich wollte fragen, ob alles in Ordnung ist“, sagte sie leise.
Danke, alles gut“, bestätigte David.
Sollte was sein, einfach klingen“, sprach Samantha schnell.
Das werde ich, danke.“
Gut, und wenn was ist, bin ich dann da.“
Danke.“ Er schenkte ihr ein warmes Lächeln. Etwas verlegen verließ Samantha das Zimmer.

In ihrem Zimmer lag Samantha auf ihrem Bett. Starrte an die Zimmerdecke. Dachte nach. Ihre Begegnung mit David, dem Patienten von Zimmer 308. Er ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Und sie beschloss, ihn nach der Arbeit zu besuchen.

David blickte zum Fenster. Sein Block lag auf seiner Decke. Der Stift war zwischen die Matratze und seinem Bein gerollt. Ein Klopfen riss ihn aus seinen Gedanken. Jemand trat herein. David sah auf. Die nette Schwester, doch diesmal ohne Arbeitskleidung.
Darf ich reinkommen?“, fragte Samantha. David nickte.
Ich weiß, wir kennen uns kaum“, sprach sie und nahm auf einem Stuhl Platz. „Wie du siehst, bin ich privat hier. Du kannst mich also auch wieder wegschicken.“
Nein“, sprach David. „Bleib ruhig... ähm...“
Samantha.“
David.“
Ja, ich weiß.“
Stille. Samantha starrte wieder zu Boden. Ein langes Schweigen hüllte den Raum in eine erwartungsvolle Ruhe. Dann atmete Samantha tief durch. „Was hast du? Du liegst schon seit zwei Monaten hier.“
David musste kurz lachen.
Entschuldige bitte.“ Samantha spürte wie ihr Gesicht rot anlief.
Nein, schon gut. Ich werde bald sterben, denn ich bin unheilbar krank.“
 Samantha musste laut schlucken.
Die Ärzte geben mir noch eine Woche.“
Und warum entlassen sie dich nicht? Damit du die letzten Tagen bei deiner Familie verbringen kannst?“
Ich habe keine Familie mehr. Sie sind alle schon tot.“
Samantha spürte, wie ein dicker Kloß zu ihrem Hals hoch wanderte. Vollkommene Verzweiflung überkam sie. Ohnmacht.
Was ist das?“, fragte sie und deutete auf das Notizbuch.
Das ist mein Textbuch.“ Er gab es ihr.
Septembereis?“
Es sind kleine Texte, die ich geschrieben habe.“
Samantha staunte.

Zuhause in ihrem Zimmer lag sie noch stundenlang wach. Trauer. Wut. Verzweiflung. Mitgefühl. Angst. Ihre Gefühle überschlugen in ihrer Seele und sie konnte keinen klaren Gedanken festhalten. Jedoch fasste sie einen Entschluss.

David schenkte ihr ein Lächeln, als sie ihm das Mittagessen auf den Tisch stellte. Samantha betrachtete David. „Ich werde jede freie Minute bei dir hier im Zimmer sein, auch nach der Arbeit.“
Schweigen. „Aber nur, wenn du das auch willst.“
Ja“, antwortete David langsam. „Ja, sehr gerne.“
Wie versprochen verbrachte Samantha ihre Zeit bei David. Sie redeten miteinander bis manchmal tief in die Nacht. Erzählten aus ihrer Vergangenheit. Lachten zusammen. Manchmal schwiegen sie auch, denn dann beobachtete Samantha wie David wieder etwas in sein Textbuch schrieb. Als sie an seinem Bett einschlief, rief David Schwester Gerda, die Samantha sanft zu deckte.

Sechs Tage schienen so schnell wie Wolken vom Wind getragen, hinüber zu ziehen. Doch in diesen sechs Tagen verdrängte Samantha die Tatsache, dass David sterben würde. Nur als sie ihm am sechsten Tag wieder besuchen kam, holte Davids Verfassung diese schmerzhafte Erinnerung zurück und Samantha spürte, wie die Tränen ihre Augen benetzten.
Schau mich nicht so traurig an, Sam“, sprach David. „Du hast es doch von Anfang gewusst.“
Aber anscheinend wollte ich es nicht wahrhaben.“
Traurig nahm sie wieder nah an seinem Bett Platz. Ihre Blicke trafen aufeinander. Trauer und Dankbarkeit erfüllten den Raum zwischen ihnen.
Ich möchte dich um etwas bitten. Wenn ich es sage, liest du mir dann aus dem Buch vor.“
Samantha nickte. Die Zeiger auf der Uhr begannen nun zu drehen. Endgültig. Ausweglos. Vorbestimmt. Draußen begann die Sonne hinter dem Horizont zu verschwinden.
Sam, liest du es?“, fragte er.
Samantha nickte, nahm das Notizbuch und griff mit der anderen nach Davids Hand.

Septembereis

Wieder werf' ich Blicke zum Fenster,
seh' das Eis auf den Scheiben.
Es ist September.
Die Kälte jedoch,
kennt die Zeit nicht.

Die Zeit rennt und rennt,
lässt keinen ruhen.
Das Schicksal hat schon entschieden,
einen Ausweg findet man nicht.
Es ist Eis im September,
es fällt der Schnee in der Nacht.

Wieder werf' ich einen Blick zum Fenster,
erkenne die Endgültigkeit.
Dann fallen meine Tränen auf das Kissen
und es ist das Letzte, was von mir bleibt.

Als die letzten Zeilen in Samanthas lautes Schluchzen untergingen, schloss David seine Augen. Zuvor hatte er noch einmal gelächelt. Sein Kopf glitt in sein Kissen. Sein Griff um ihre Hand ließ nach. Samantha blickte ihn an. Das Notizbuch fiel aus ihren Händen. Schien wie in Zeitlupe zu Boden zu fallen. Samantha begann zu weinen. Das erste Mal, wo sie Tränen vergaß, die aus den Tiefen ihres Herzens entsprangen. Samantha blickte aus dem Fenster. Draußen schien es nun kälter geworden zu sein. Doch bemerkt sie plötzlich Eis an der Fensterscheibe. Und irgendwo zerbrach wieder eine weiße Tasse.

Freitag, 24. Dezember 2010

Zeilen aus Avahanda

Ich spüre die Kälte,

ich spüre den Hass.

Ich sehe das Leid,

in mir brennt die Wut.


Diese Gefühle waren einst,

nun strahlt die Hoffnung,

ihre ersten Strahlen,

auf mein geschundenes Selbst.


Die dunklen Wolken schwanden,

die Wärme der Freude,

durchbrach die Eiseskälte,

Ich fühle Stärke.


Nun ist die Zeit gekommen,

vereint zu sein.

Gemeinsam zu weinen.

Gemeinsam zu hoffen.

Gemeinsam zu lieben.


Die Sterne funkeln hell,

sie bringen den Frieden auf die Erde.

König und Bettler stehen Arm in Arm,

betrachten die Friedenslichter,

am Firmament


Lasst uns gemeinsam Tränen vergießen,

lasst uns gemeinsam die Vergangenheit vergessen,

lasst uns gemeinsam daran erinnern,

dass wir uns einen Platz teilen.


Lasst uns gemeinsam hoffen,

lasst uns gemeinsam schweigen,

an unsere Liebsten denken,

im Himmel und auf der Erde


Ich wische dir eine Träne von deiner Wange,

lasse sie in den Nachthimmel aufschweben,

sie schenkt der Welt ihren Frieden

Einen Frieden, den ein Mensch allein,

nicht vollbringen kann.


In diesem Sinne wünsche ich allen Frohe Weihnachten

Sonntag, 15. August 2010

Zeilen über Avahanda

Ein fernes weites Land

tat sich vor mir auf

Wasserfälle, Himmelsregen, weite Wiesen

das Leben hier nahm seinen Lauf


Noch nie gekannt

und doch geahnt

Ist es mir so bekannt?

Ist es mein Zuhaus?


Die Weiten des Waldes

die Tiefen der Seen

das Grün der Wiesen

wie weit werd ich wohl gehn?


So fremd

so bekannt

als lebe ich ewig hier

die Magie

mein Fürchten


Schwarze Schatten

helles Licht

Tod und Leben

ein ferne Stimme die zu mir nun spricht


Ich springe

ich laufe

ich gehe

wann erreiche das Ende?

Wohl nie


Schicksal

Vorahnung

Hoffnung

wer überreicht diese Kund?

Die Kund vom Leben


Ferne weite Welt

geliebt, bedroht, verhasst

Schützend, doch unberechenbar

Liebend und verachtend

Der Wind trägt das Schicksal heran


Was tat ich hier?

Wer bin ich wirklich?

Wie wird sie genannt?

Die Welt in der ich war

Mein Herz vermag es nicht zu sagen

Die Pforten nach Avahanda beginnen zu öffnen

August 2010. Nur noch wenige Kapitel und mein erstes Buch der Avahanda Trilogie wird fertiggestellt sein. Nach vielen vor allem storytechnischen Änderungen bin ich zufrieden. Die Geschichte wird traditionell beginnen, jedoch überraschend enden, denn das zentrale Thema ist zwar in seinem Ursprung allseits bekannt, doch ich habe der Thematik ein neues Gesicht gegeben.

Es wird ein traditioneller Fantasy Roman werden, Fans der High Fantasy werden sich wohl freuen, aber auch überrascht sein, welche Wendung die Trilogie bezüglich der handelden Charaktere nimmt. Seit 3 Jahren arbeite ich an meinem Debüt und ich bin mir sicher, dass diese Arbeit mit einer Veröffentlichung dementsprechend belohnt werden sollte.

Natürlich wird es auch viele Anspielungen auf bisherige Werke geben, viel Bekanntes wird den geneigten Leser erwarten und einiges Neues, was es eher selten im Fantasy Genre gab. Das Buch fokussiert sich sehr auf die Story.

Nun steht mir der schwierigste Weg bevor, die Veröffentlichung in einem Verlag, aber ich bin zuversichtlich und werde mein Ziel nicht aus den Augen verlieren, dafür habe ich alles in diese Trilogie gesteckt. Herzblut. Trännen. Wut. Bestürzung. Und vor allem, es hat mich in den letzten 3 Jahren sehr geprägt

Sonntag, 14. März 2010

Gedankenwelten Teil 2

Ich spüre den Wind auf meiner Haut
ich fühle das Prickeln
Nun schaue ich gen Westen
erinnere mich zurück.

Ich fühlte ihre Haut auf meiner
ich höre ihrem Atem
Hat sie Angst?
Ich weiß es nicht.
Fühle ich es?
Wird sie mir es sagen?

Ich spüre den Wind auf meiner Haut
schließe die Augen
Erinnere mich an ihr Gesicht
öffne sie wieder
und sehe doch nichts.

Leise flüstert sie es
ich wollte es nicht verstehen
wollte es nicht begreifen
Warum habe ich in diesem Moment nur an mich gedacht?

Ich spüre den Wind auf meiner Haut
rieche das Nass der Meere
sehe in die Ferne
Und im Bauch war nur eine schwarze Leere

Langsam schläft sie ein
In meinen Armen
Für immer
Für die Ewigkeit
Nun saß ich da
vergaß die Zeit
vergaß die Erinnerung
Für nur diesen einen Moment

Ich spüre den Wind auf meiner Haut
schmecke den Hauch von Schicksal
Blicke zurück
ich kann nicht sagen, was ich da sehe
am Horizont.

Ganz kalt
ihre Hand, ihr Gesicht, ihr Mund
Ganz heiß
dieser Schmerz, diese Wut, diese Verzweifelung

Ich spüre den Wind auf meiner Haut
fühle den Schlag meines Herzens
schmecke das Salz meiner Tränen
Sehe in tiefe Dunkelheit
erinnere mich an die Zeit davor.